Puchfreunde 3-Tages-Ausfahrt vom 19. bis 21. Juni


Drei Tage Benzingespräche, Bergluft und Batteriewechsel


Da Günter bei diesem Bericht, den er so hervorragend geschrieben hat, leider seine eigene Panne „versehentlich“ vergessen hat zu erwähnen – darf ich das tun: Gestartet hat Günter G. die 3-Tages-Tour mit bester Organisation. Leider stellte er am ersten Morgen am Treffpunkt beim Feuerwehrhaus Bregenz Rieden fest, dass er seine Nummerntafel vergessen hat. Nun stellt sich die Frage, war er so nervös und seine Gedanken voll auf die Ausfahrt fokussiert, oder waren es noch die Gedanken an den schönen Ausflug den er am Vortrag mit seiner Petra auf dem Roller (auf dem noch die Nummerntafel war) machte, dass er vergaß diese auf seine Puch zu stecken. Kurz um, er musste zurück. Da aber Petra noch im Bett war und er schon verschwitzte Hände hatte, tat er sich etwas schwer zur Nummerntafel zu gelangen – da er anstatt wie jeder normale Mensch einen Schlüssel, einen Fingerprintöffner hatte. Nach einigem Murxen hat er es geschafft loszufahren. (Gaby)

Am Freitag, 19. Juni war es endlich so weit: Die große 3-tägige Ausfahrt der Puchfreunde stand auf dem Programm. Während normale Menschen um
6:15 Uhr noch darüber nachdenken, ob sie wirklich aufstehen sollen, waren die ersten unerschrockenen Zweitakt-Enthusiasten bereits voller Tatendrang, um die restlichen Freunde entlang der Strecke einzusammeln.


Wie ein rollender Wanderzirkus wuchs unsere Gruppe von Kilometer zu Kilometer. Spätestens in Bludenz waren wir beinahe vollständig versammelt. Nur unser 15. Freund Franz fehlte noch. Er hatte sich für die Variante „Solo-Abenteuer“ entschieden und trat die Reise erst am Nachmittag auf eigene Faust an. Wahrscheinlich wollte er testen, ob man ohne die hilfreichen Kommentare von 14 Puchfreunden überhaupt ans Ziel findet.


Durch das wunderschöne Klostertal führte uns die Route nach Braz. Dort warteten bereits Guntram und Annelies, Bekannte von Günter auf uns. Während unsere Puchs nach getaner Arbeit leise vor sich hin knisterten, wurden wir mit Kaffee und kühlen Getränken verwöhnt. Es stellte sich einmal mehr heraus, dass Motorradfahren zwar schön ist, aber kostenlose Verpflegung noch schöner.


Gut gestärkt ging es anschließend hinauf auf den Arlbergpass. Dort entstand das erste Gruppenfoto der Reise. Wie immer dauerte die eigentliche Aufnahme nur wenige Sekunden, während die Diskussion darüber, wer wo stehen soll, gefühlt eine halbe Stunde in Anspruch nahm. Das Ergebnis konnte sich jedenfalls sehen lassen. Stolze Puchfreunde, herrliche Bergkulisse und Motorräder, die aussahen, als wären sie gerade einem Prospekt entsprungen.


Danach führte die Strecke bergab Richtung St. Anton. Alles lief wie am Schnürchen – bis plötzlich Charly am Straßenrand anhielt. Seine treue Puch 250 TFS hatte beschlossen, eine kleine Stromsparmaßnahme einzulegen und produzierte keinen Funken mehr. Zum Glück gehört Charly zur seltenen Spezies der erfahrenen Schrauber, die bereits wissen, was kaputt ist, bevor sie überhaupt abgestiegen sind. Nach kurzer Diagnose stand der Übeltäter fest: die Batterie. Doch auch hierfür war vorgesorgt. Jochen griff beherzt in seinen Fundus und spendierte eine Ersatzbatterie. Wenige Handgriffe später erwachte die Puch wieder zum Leben. Die Erleichterung war groß, auch wenn einige Teilnehmer insgeheim schon gehofft hatten, endlich ihre Abschleppkünste unter Beweis stellen zu dürfen. Aber bis zum Ende der Tour ist dies sicherlich noch möglich.


Während alle gemütlich herumstanden, kam Joe plötzlich mit einer Hose in der Hand daher – einer echten, ausgewachsenen Hose, die er mitten auf der Straße gefunden hatte. Die große Frage war natürlich: Wer verliert unterwegs seine Hose? Einen Bauteil der Puch kann man verlieren, eine Schraube vielleicht auch – aber eine Hose? Sofort begannen die Ermittlungen. Der Verdacht war, dass das gute Stück einem der vorausfahrenden Kollegen abhandengekommen sein musste. Die Spekulationen waren groß und das Gelächter wurde mit jeder Theorie lauter. Nach kurzer Fahndung war der Fall gelöst: Der Besitzer der herrenlosen Hose war tatsächlich gefunden.
Es war Norbert.
Die Erleichterung war groß, als er seine geliebte Hose in Empfang nehmen konnte. Die Hose hatte offenbar nur einen kleinen Ausflug auf eigene Faust unternommen. Von diesem Moment an war klar: Nicht nur Puchs können unterwegs Teile verlieren.


Mit wiederhergestellter Bordspannung und Norberts Hose, setzte sich der Puch-Tross erneut in Bewegung. Durch das Inntal führte uns die Strecke weiter nach Umhausen im Ötztal. Die Motoren schnurrten, die Stimmung war ausgezeichnet und die Vorfreude auf den ersten offiziellen Programmpunkt stieg von Kilometer zu Kilometer.


Dort angekommen stand die erste Besichtigung mit Führung im Ötzi-Dorf auf dem Programm. Es war äußerst interessant, mehr über Ötzi und die Lebensweise seiner Zeit zu erfahren. Einige Teilnehmer stellten dabei fest, dass die damaligen Werkzeuge teilweise einfacher aufgebaut waren als die Elektrik mancher mitgereister Puchs. Ebenso das Allheilmittel für undichte Benzintanks gab es schon zu dieser Zeit und zwar das erhitzte Birkenharz.


Nach diesem kulturellen Höhepunkt schwangen wir uns wieder auf unsere „heißen Öfen“ und fuhren weiter nach Obergurgl zum Hotel Enzian, wo wir bereits erwartet wurden. Nachdem die Motorräder sicher in der Garage verstaut und die Zimmer bezogen waren, zog es einige aufs Hoteldach. Bei sommerlichen Temperaturen sorgten Pool und kühle Getränke für die dringend benötigte Erfrischung. Manche munkelten sogar, dass einzelne Puchfreunde länger im Wasser als auf dem Motorrad saßen.


Am Abend wurden wir mit einem hervorragenden 5-Gänge-Menü verwöhnt. Zwischen Suppe, Hauptgang und Dessert wurden bereits die Routenpläne für den nächsten Tag diskutiert und die ersten Schraubertipps ausgetauscht. Mit großer Vorfreude auf den Samstag ließen wir den Abend gemütlich ausklingen.
Am Samstag standen bereits um 8:30 Uhr alle pünktlich bereit für die Fahrt zum höchstgelegenen Motorradmuseum Europas. Dank einer Sondergenehmigung durften wir das Museum bereits eine Stunde vor allen anderen Besuchern betreten. Dort gab es von den Anfängen der Motorisierung bis zu modernen Maschinen unzählige Raritäten zu bestaunen. Für manche Teilnehmer war das reine Nostalgie, für andere eine Erinnerung daran, wie viele Motorräder sie in ihrem Leben schon besessen hatten.


Nach der Mautstelle führte die Strecke hinauf aufs Timmelsjoch auf stolze 2.474 Meter Seehöhe. Nachdem alle den Pass erfolgreich erreicht hatten, ging es durch das Passeiertal zum Geburtshaus von Andreas Hofer. Im Gasthaus Sandwirt stärkten wir uns mit kühlen Getränken, bevor der Tag seinen eigentlichen Unterhaltungswert entwickelte.


Denn Charly musste nun in regelmäßigen Abständen seine Batterie wechseln. Der Austausch erfolgte mittlerweile in einer Geschwindigkeit, die selbst ein Formel-1-Team neidisch gemacht hätte. Kaum war eine Batterie leer, war die nächste bereits eingebaut.


Währenddessen ging Franz unser Burgenländer in Meran verloren. Es kursierten sofort Gerüchte, er habe sich absichtlich von der Gruppe getrennt, um auf Brautschau zu gehen. Beweise dafür gibt es bis heute keine, allerdings dementierte Franz die Vorwürfe auch nicht besonders überzeugend.


Nun war Jochen an die Reihe. Da er durch die Stadt Meran mehr am Bremsen als am Fahren war, riss ihm sein vorderes Bremskabel. Als erfahrener Puchfahrer schaffte er die Weiterfahrt problemlos nur mit Betätigen der Rückbremse.


Im Forstbräu in Meran waren schließlich wieder alle vereint. Dafür begannen nun bei Norbert und Heribert die technischen Herausforderungen. Zündaussetzer, Elektronikprobleme und andere unerklärliche Phänomene sorgten für zusätzliche Schrauberstunden. Glücklicherweise konnten die Defekte jeweils so weit behoben werden, dass die Reise fortgesetzt werden konnte.


Durch das Etschtal führte die Strecke entlang unzähliger Obstplantagen nach Watles. Dort erwartete uns ein kleines, unscheinbares Privatmuseum. Wer jedoch nur ein paar alte Motorräder erwartet hatte, wurde überrascht: Motorräder, Vespas, Autos und sogar historische Wurstschneidemaschinen standen dicht an dicht. Die Begeisterung war groß, wobei bis heute nicht eindeutig geklärt ist, wer sich mehr für die Motorräder oder die Wurstschneidemaschinen interessierte.


Auf rund 1.750 Metern Höhe hatte Walter sen. eine besonders geniale Idee: Um Sprit zu sparen, wollte er die gesamte Bergabfahrt im Leerlauf absolvieren. Was zunächst nach einer Meisterleistung in Sachen Wirtschaftlichkeit aussah, entwickelte sich wenig später zu einer technischen Lehrstunde.
Bei der letzten Kehre blockierte plötzlich die Hinterradbremse. Eine etwa zehn Meter lange schwarze Bremsspur zeichnete sich auf dem heißen Asphalt ab. Die vorausfahrenden Kollegen bemerkten davon nichts und fuhren gemütlich weiter. So waren Walter und Schlussfahrer Günter auf sich allein gestellt.
Walter diagnostizierte die Situation sofort: Die Bremstrommel müsse gekühlt werden. Das Problem war nur, dass weit und breit kein Wasser zu finden war. Günter reagierte entschlossen, leerte sein mitgeführtes Trinkwasser – oder war es doch etwas anderes? – und machte sich auf die Suche. Nach einer kleinen Expedition durch dichtes Gebüsch fand er tatsächlich eine Wasserstelle.
Doch auch nach der ersehnten Abkühlung wollte sich die Bremse nicht lösen. Die Ursache war schnell gefunden: Durch die enorme Hitze hatten sich Bremstrommel und Nabe praktisch miteinander verschweißt.
Da das passende Werkzeug fehlte, wurde kurzerhand der Besitzer des Privatmuseums angerufen. Dieser bot sofort an, einen Bus zu schicken und das Motorrad in seine Werkstatt zu bringen. Bevor dies jedoch nötig wurde, erschien Walters Sohn auf seiner Beiwagenmaschine wie ein Retter in der Not – inklusive passendem Werkzeug. Nach kurzer Reparatur war die Puch wieder einsatzbereit.


Währenddessen häuften sich bereits die Anrufe bei Günter von Heribert und Norbert, die erneut mit technischen Problemen kämpften. Man hatte mittlerweile den Eindruck, die beiden würden einen inoffiziellen Wettbewerb austragen, wer die meisten Defekte innerhalb eines Wochenendes sammeln konnte.


Als Günter mit seinem Gendarmerie Motorrad etwa zwei Kilometer vor dem Tagesziel in Pfunds unterwegs war, entdeckte er Norbert verloren und einsam mit seiner geliebten Puch am Straßenrand. Ohne lange zu überlegen wurde das Abschleppseil befestigt und Nobi die letzten Kilometer zum Hotel Kreuz geschleppt.
Doch das Abenteuer war noch nicht vorbei.
Nur hundert Meter vor dem Hotel kam es bei einem scharfen Wendemanöver zum nächsten Zwischenfall. Norbert verlor das Gleichgewicht, fiel samt Motorrad um und landete unter seiner Puch. Glücklicherweise blieb es bei einigen Schürfungen und einer kleinen Benzinlache. Die Maschine hatte offenbar beschlossen, sich kurz vor dem Ziel noch einmal dramatisch in Szene zu setzen.

Und Joe hatte beschlossen, mit etwas leichterem Gepäck weiterzureisen. Da seine Schraube von der Schwimmerkammer locker war und jede Menge Sprit auf ihn lief, hat er sich entschlossen, seine Socken, die sehr stanken (nach Benzin) lieber im Tirol zu lassen.


Um 19:55 Uhr erreichten schließlich die letzten Puchfreunde das Tagesziel. Beim Abendessen wurde bereits eifrig diskutiert, wann am nächsten Morgen die Reparaturarbeiten beginnen sollten. Früh am Sonntagmorgen standen Charly und Jochen – unsere beiden Chefmechaniker – bereits in der Garage. Sie hatten alle Hände voll zu tun. Einige Beobachter waren der festen Überzeugung, dass bei Norberts Motorrad nicht nur repariert, sondern gleich ein kompletter Jahresservice durchgeführt wurde.


Die Abfahrt war für 9:00 Uhr geplant. Wie gewohnt standen alle pünktlich bereit. Doch bereits nach rund 200 Metern war wieder Heribert am Straßenrand zu finden. Eine neue Zündkerze brachte die Lösung und die Reise konnte fortgesetzt werden.


An einer schmalen Brücke musste die Gruppe erneut anhalten. Und wieder war es Norbert, dessen Maschine offenbar beschlossen hatte, nicht mehr nach Hause fahren zu wollen. Jochen eilte zur Hilfe und nach mehreren Startversuchen sprang der Motor schließlich wieder an.


Am Arlberg trennten sich schließlich Norbert und Heribert in Richtung Montafon von der Gruppe. Die übrigen 13 Puchfreunde fuhren über den Hochtannberg in den Bregenzerwald zum Gasthaus Uralp, wo ein wohlverdientes Mittagessen wartete.


Kurz darauf traf auch Gaby ein und berichtete von ihrer eigenen Panne auf dem Weg über den Furka. Offenbar wollte an diesem Wochenende kein Fahrzeug ohne persönliche Geschichte nach Hause kommen.


Mit vollem Bauch, bester Laune und einem weiteren rekordverdächtigen Batteriewechsel von Charly ging es weiter nach Alberschwende. Im Café am Kirchplatz wurde bei einem letzten gemeinsamen Getränk auf drei erlebnisreiche Tage angestoßen.


Beim abschließenden Tourgespräch wurde schließlich festgestellt:

Das Puchfahrer niemals ohne Werkzeug reisen sollten.

Das Ersatzbatterien zu den wichtigsten Reiseutensilien gehören.

Das Spritsparen im Leerlauf nicht immer die beste Idee ist.

Das verlorene Teilnehmer meistens wieder auftauchen.

Das unser Tourguide nur einmal im Kreis gefahren ist.

Das Abschleppseile unverzichtbar sind.

Das Wetter war perfekt, fast schon zu heiß.

Das die beiden Montafoner die Pechvögel der Tour waren.

Das unsere Schrauber Charly und Jochen vermutlich jede Panne zwischen Bodensee und Timmelsjoch beheben können.

Und dass eine gelungene Puch-Ausfahrt nicht daran gemessen wird, wie viele Kilometer ca. 520 km gefahren wurden, sondern wie viele Geschichten man anschließend erzählen kann. Mit unzähligen Erinnerungen, einigen zusätzlichen Schraubererfahrungen und einer Menge Gesprächsstoff für die nächsten Stammtische ging eine unvergessliche 3-tägige Puchfreunde-Ausfahrt zu Ende.
Teilnehmer: Charly Sahler, Markus Jäger, Günter Götze, Jochen Nuck,
Geri Peiker, Otto Krainer, Joe Angele, Emil Buhmann, Harald Böhler, Franz Zweng, Jürgen Pfeffer, Walter Fachbach Senior, Walter Fachbach Junior, Norbert Müller und Heribert Thoma

Günter Götze